Ventizz ist aktivster VC Investor Deutschlands

VDI Nachrichten, München, 29.04.2005

Geld für Hightech-Gründer bleibt weiter knapp

Venture Capital Panel: Wenig neue Beteiligungen in den ersten drei Monaten des neuen Jahres - Biotech bleibt Favorit der Investoren - Fast 30 Börsengänge in den kommenden zwölf Monaten geplant

Deutsche Wagnisfinanzierer halten sich mit Investments weiter zurück.Vor allem Start-ups, die sich zum ersten Mal um Kapital bemühen, haben schlechte Karten. Im Laufe des Jahres dürfte sich das Investitionsklima jedoch verbessern. Zu diesem Ergebnis kommt das Venture Capital Panel für das 1. Quartal 2005, das die VDI nachrichten und die FHP Private Equity Consultants erstellen.

Die 40 im Panel erfassten Wagnisfinanzierer schlossen von Januar bis März nur noch 62 Beteiligungen ab (nach 72 Finanzierungen im Vorquartal). Die Anzahl der Finanzierungen fiel damit zum zweiten Mal in Folge. Rund 30 % der befragten VCs wollen in diesem Jahr jedoch mehr Investments eingehen - weniger nur 15 %.

Um das Risiko auf breitere Schultern zu verteilen, setzen die Finanzierer mehrheitlich auf syndizierte Investments - Jungunternehmer sind also meist gezwungen, nicht nur einen, sondern gleich mehrere Investoren von ihrem Geschäftskonzept zu überzeugen.

Obwohl die Zahl der neuen Beteiligungen zurückging, investierten die Panelteilnehmer im 1. Quartal mehr Geld, nämlich rund 112 Mio. € (nach 84 Mio. € im 4. Quartal 2004). Rund ein Viertel davon floss ins Ausland.

Das gesamte Beteiligungsvolumen - also einschließlich der von Co-Investoren bereitgestellten Mittel - betrug zuletzt 280 Mio. € und erreichte damit exakt den Wert des Vorquartals.

Wie sehr sich die deutschen VC-Gesellschaften aus der ganz frühen Phase der Unternehmensfinanzierung zurückgezogen haben, macht eine andere Zahl deutlich: Nur sechs Hightech-Start-ups erhielten von Januar bis März zum ersten Mal eine VC-Finanzierung (A-Runde) - gerade mal zwei dieser sechs Unternehmen sitzen in Deutschland.

An dieser unerfreulichen Situation dürfte sich kurzfristig auch wenig ändern: Zwar gibt in der Panelbefragung etwa ein Viertel der Investoren an, 2005 mehr A-Runden als im Vorjahr abschließen zu wollen. Fast ebenso viele aber haben vor, künftig noch seltener in dieser frühen Phase zu investieren.

Dass deutsche Newcomer bei heimischen VCs immer häufiger abblitzen, ist allerdings keine neue Entwicklung. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt nur 41 A-Runden beurkundet - bei jeder zweiten Finanzierung kam das Geld dabei ausländischen Gründern zugute. Auf der Suche nach lukrativen, zukunftsweisenden Geschäftskonzepten und Technologien werden die deutschen Investoren offenbar immer häufiger im Ausland fündig, vor allem in den USA.

Hier weitere Ergebnisse der aktuellen Panelrunde:

  • Aktivster Investor waren mit acht Finanzierungen Ventizz Capital Partners und 3i. Sieben neue Verträge schloss die TVM ab. Jeweils vier neue Beteiligungen gingen die Siemens Mobile Acceleration und die IBB ein. Auffällig: Rund ein Drittel der 40 Panelmitglieder hat im ersten Quartal kein einziges Investment getätigt.
  • Die Biotechnologie wird von den Panelteilnehmern noch immer klar favorisiert. Rund ein Drittel aller Deals und des investierten Kapitals entfiel auf diese Sparte. Auf den Plätzen folgen Software (10 Beteiligungen), Telekommunikationstechnologie (6) sowie die Medizintechnik (5).
  • In über 30 Fällen haben sich die Wagnisfinanzierer im 1. Quartal von Beteiligungen getrennt. Meist geschah dies durch Abschreibung (10 Fälle) oder durch Verkäufe an Industrieunternehmen, so genannte Trade Sales (8). Sieben Portfoliofirmen kauften ihre Anteile von den Investoren zurück (Buy Back). Einen Börsengang gab es zwar nicht, in sechs Fällen aber veräußerten VC-Gesellschaften ihre Anteile an bereits gelisteten Portfoliounternehmen.
  • Nach Einschätzung der führenden deutschen Venture Capital-Gesellschaften schlummern in ihren Portfolios derzeit insgesamt 42 Unternehmen, die reif sind für die Börse. 27 davon sollen in den kommenden zwölf Monaten aufs Parkett gebracht werden. Die bevorzugten Börsen-Segmente sind der Prime Standard in Frankfurt, der AIM in London und die New Yorker Nasdaq, die beinahe gleich häufig genannt werden.
  • Als Hauptgrund für die aktuelle IPO-Flaute in Deutschland sehen die Befragten die schwache Nachfrage institutioneller Investoren. Außerdem seien viele potenzielle Börsenkandidaten noch zu klein. Auch eine vergleichsweise niedrige Bewertung von Beteiligungsunternehmen habe bisher Börsengänge verhindert.
  • Um den deutschen Wagniskapitalmarkt zu beleben, fordern rund 60 % der VCs den Staat zum Handeln auf. Er sollte in der Seedphase die Förderung auf eine breitere Basis stellen. Jeder zweite Investmentmanager ist der Meinung, dass die bisherigen Programme nicht ausreichen. Der neue staatliche Seedfonds (Hightech-Gründerfonds), der in der vergangenen Woche von der Bundesregierung angekündigt wurde (siehe Beitrag auf dieser Seite), soll diese Lücke schließen. Zwei Drittel der Befragten halten den neuen Fonds für wichtig oder sehr wichtig.

P. SCHWARZ

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